Die solidarische Lust an der kollektiven eigenen Auslöschung

Wir leben in einer merkwürdigen Zeit, in der Fortschritt mit Glücksversprechen wabert:

Wenn der Mensch unterwegs ist, hat er sein Smartphone dabei, einen Computer, der immer und überall seinen Standort und seine Aktivitäten notiert und an daran interessierte bekannte und fremde Menschen sendet.

Zuhause hat derselbe Mensch verschiedene mobile Computer – Notebook, Tablet, smartes TV – , die alles , was er tut, aufzeichnen und an daran interessierte Leute sendet.

Er hat Haushaltsgeräte, die per Internet kommunizieren mit Händlern oder miteinander, was wiederum an daran interessierte Leute gesendet wird.

Von der Haustür bis in alle Zimmer sind Überwachungskameras angebracht, sodass daran Interessierte auf einem Monitor verfolgen können, was die in den Räumen befindlichen Menschen tun.

Ununterbrochen lässt sich der Mensch überwachen, sogar beim Sport oder beim Schlaf. Und wozu?

Wenn man die Menschen darauf aufmerksam macht, dass nicht nur freundlich gesinnte Menschen diese Aufzeichnungen verfolgen, weil sie damit knallharte kapitalistische Interessen verfolgen – Erpressung, Datenklau zum Verkauf derselben – , dann sagen diese überwachten Menschen: ‚Ich habe nichts zu verbergen!‘ Was völliger Unsinn ist; denn man kann diese Lüge mit einer einfachen Frage entlarven: ‚Wieviel Geld verdienst Du ? Wieviel Geld hast Du auf der Hohen Kante?‘

Das große Rätsel ist doch: Warum geben diese Menschen freiwillig ihre ganz persönlichen Daten preis? Warum sind sie so wild danach, dass andere, also geschäftelüsterne Überwacher und Voyeure jedes Detail von ihnen wissen wollen?

Liegt es daran, dass sie meinen, nicht wahrgenommen zu werden? Dass sie deshalb niemandem wichtig sind? Dass niemand sie interessant findet? Dass niemand sie liebt?

Glauben sie wirklich, dass das Internet anonym ist, dass nur der Einzelne mit einem einzelnen Gerät kommuniziert?

Sehen sie nicht, dass sie nur das massenhafte Futter sind für die Errichtung einer neoliberalen, zynischen, menschenverachtenden Diktatur?

Sehen sie nicht, dass ihnen immer mehr Fertigkeiten und Fähigkeiten in Denken und Handeln genommen werden?

Sehen sie nicht, dass sie zum nützlichen Sklaven abgerichtet werden?

Dass ihre Blindheit Teil des Programms ist.

Ihnen werden die Augen übergehen, wenn ihnen das Fazit ihres Tuns aufgeht:

Dann werden sie bemerken,. dass die lustigen bunten Bilder und Spielchen die Bonbons waren, die sie zu unfähigen nützlichen Idioten einer entmenschlichten Gesellschaft gemacht haben.

Aber dann ist es zu spät: Denn jedes eigenverantwortliche Handeln ist ihnen ja in kürzester Zeit sehr erfolgreich abtrainiert worden – und sie haben es mit wachsender Begeisterung geschehen lassen.

 

 

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